VMI (Vendor Managed Inventory)
Kurze Antwort
Der Lieferant steuert den Warenbestand beim Kunden oder im Regal - Bestellungen werden automatisiert bei Schwellenwerten ausgelöst, statt manuell beauftragt zu werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Klassisch: Kunde erstellt Bestellung (PO) → Lieferant versendet → Rechnung
- VMI: Lieferant sieht Bestand → schlägt Lieferavis (ASN) vor → versendet → Konsignation oder Rechnung
Definition
Beim Vendor Managed Inventory (VMI) übernimmt der Lieferant die Verantwortung für die Bestandsplanung im Lager oder Regal des Kunden. Der Kunde teilt Verkaufs- und Bestandsdaten; der Lieferant plant automatische Nachschübe basierend auf dem tatsächlichen Verbrauch statt auf Ad-hoc-Bestellungen.
Differenzierung zum klassischen Bestellwesen
- Klassisch: Kunde erstellt Bestellung (PO) → Lieferant versendet → Rechnung
- VMI: Lieferant sieht Bestand → schlägt Lieferavis (ASN) vor → versendet → Konsignation oder Rechnung
Ergebnis: Geringere Kapitalbindung beim Kunden, Vermeidung von Regallücken (Out-of-Shelf) und eine stabilere Produktionsplanung auf Lieferantenseite.
Vorteile für beide Seiten
Für den Lieferanten: Transparenz über den Abverkauf (Sell-out), planbare Produktion, höhere Kundenbindung und langfristige Verträge.
Für den Kunden: Bestandsreduzierung um 25-40 %, Reduzierung von Out-of-Shelf-Situationen um 60-80 %, minimaler Zeitaufwand für die Nachdisposition.
Technische Umsetzung
- Täglicher Austausch von Bestands- und Verkaufsdaten (via EDI INVRPT oder API)
- Nachschub-Algorithmus basierend auf Mindestbestand, Lieferzeit, Saisonalität und Mindestbestellmengen (MOQ)
- Automatische ASN-Vorschläge mit One-Click-Freigabe durch den Kunden oder vollautomatischer Durchlauf
- Monatlicher Bestandsabgleich (Reconciliation) → ordnungsgemäße Abrechnung gemäß GoBD
Stolperfallen
1. Mangelhafte Datenqualität. Wenn der Bestand im ERP des Kunden ungenau ist (z. B. durch Schwund), berechnet der Algorithmus falsche Mengen.
2. Fehlende Service Level Agreements (SLAs). Haftungsfragen bei Leerverkäufen oder Überbeständen müssen vertraglich präzise geregelt sein.
3. Akzeptanzprobleme. Der Einkauf des Kunden gibt scheinbar Kontrolle ab - dies erfordert Change Management und Vertrauen in die Lieferantenleistung.
Beispiel aus der Praxis
Eine Kaffeerösterei beliefert 38 Cafés via VMI. Der Durchschnittsbestand sank von 14 auf 8 Tage, Out-of-Shelf-Raten fielen von 6 % auf 0,8 % und die Genauigkeit der Röstplanung stieg um 23 %.
Aktualisiert:
Häufige Fragen
Funktioniert VMI nur im FMCG-Bereich (Konsumgüter)?+
Nein. Das Modell eignet sich für alle Bereiche mit repetitivem Bedarf: Automobilzulieferer, medizinische Verbrauchsmaterialien, Verpackungen für die Produktion oder Bürobedarf für Filialnetze.
Wer ist Eigentümer der Ware bei VMI?+
Das hängt vom Vertrag ab. Beim klassischen VMI geht das Eigentum bei Lieferung über. Beim Konsignations-VMI bleibt die Ware Eigentum des Lieferanten, bis sie entnommen wird, und wird erst nach Verbrauch fakturiert.
Kann VMI ohne EDI realisiert werden?+
Ja - über die CRMconnect REST API oder ein B2B-Portal, in dem der Kunde Bestände meldet. EDI (z. B. mit Partnern wie EDEKA oder REWE) bleibt jedoch der Standard für skalierbare Enterprise-Prozesse.
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Verwandte Begriffe
OTIF (On-Time In-Full)
Anteil der Bestellungen, die sowohl pünktlich ALS AUCH vollständig geliefert wurden. Kritischer KPI für moderne Handelsbeziehungen.
LogistikASN / DESADV (Elektronisches Lieferavis)
Digitale Versandanzeige via EDI, die vor Eintreffen der Ware beim Händler gesendet wird und Palette, Charge sowie Mengen detailliert beschreibt.
LogistikFulfillment (Auftragsabwicklung)
Der gesamte Prozess von der Bestellung bis zur Lieferung: Wareneingang, Lagerung, Kommissionierung, Verpackung, Versand und Retourenmanagement.
TechnologieEDI (Electronic Data Interchange)
Strukturierter Austausch von Geschäftsdokumenten zwischen B2B-Partnern ohne E-Mails oder manuelle Dateneingabe.